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“Das war eine schwere Aufgabe. Man kann man sich eigentlich nur blamieren, wenn man zuhause gegen einen Zweitligisten spielt und dann vielleicht noch verliert”, sagte Geschäftsführer Klaus Allofs.
Die Freude über den Erfolg war umso größer, da die Bremer in Berlin nicht nur ihren Titel verteidigen können, sondern sich mit dem Sieg wahrscheinlich auch noch fürs europäische Geschäft qualifiziert haben. Da den möglichen Endspielgegnern Schalke 04 und der FC Bayern die Qualifikation zur Champions League wohl nicht mehr zu nehmen ist, wäre der unterlegene Pokalfinalist automatisch für die Europa League qualifiziert.
“Wir freuen uns über beides, auch wenn die Europa League damit noch nicht ganz sicher ist, so ist es doch eine schöne Option”, erklärte Allofs, fügte aber an: “Wir wollen uns auch über die Bundesliga qualifizieren und dort weiter punkten. Und dann schauen wir mal, was noch daraus wird.”
Was noch daraus wird? Allofs hat bei acht Punkten Rückstand auf Bayer Leverkusen auf Rang 3 die “Königsklasse” noch nicht abgeschrieben. Auch die Spieler scheinen noch große Ziele zu haben.
Champions League? “Schwer, aber nicht unmöglich”
“Wir müssen uns jetzt wieder auf die Bundesliga konzentrieren, denn da können wir uns noch für die Champions League qualifizieren. Das wird zwar schwer, aber es nicht unmöglich”, erläuterte Torjäger Claudio Pizarro, der gegen Augsburg mit seinem Treffer kurz vor dem Ende für die Entscheidung sorgte.
Ganz so forsch wollte Allofs nicht an die Sache rangehen. Er ist froh, dass seinen Bremern am vergangenen Spieltag erstmals wieder der Sprung unter die Top 5 gelungen ist. “Der erste Schritt war es, auf den 5. Platz zu kommen. Jetzt gucken wir, ob wir uns auf Platz 4 schieben können. Und dann schauen wir mal, wie viel Spiele wir noch übrig haben”, sagte Allofs.
Bei aller Euphorie waren sich die Bremer aber bewusst, dass gegen den FCA nicht alles so rosig war. “Nach dem 1:0 haben wir balla balla gespielt. Der Sieg muss viel früher feststehen”, monierte Pizarro. “Wir sind nach dem 1:0 etwas zu nachlässig geworden. Da haben wir Augsburg ins Spiel zurück geholt”, analysierte Frings.
“Vielleicht geht noch was”
Torwart Tim Wiese konnte sich auch nicht vollends darüber freuen, dass Werder vor heimischem Publikum zum ersten Mal seit der Europa-League-Partie im November gegen Austria Wien wieder ohne Gegentor blieb: “Wir hatten heute wieder einige Nachlässigkeiten dabei.”
Und auch im Hinblick auf die “Königsklasse” sah Wiese erst einmal schwarz. “Die Champions League ist zu weit weg”, sagte er, überlegte kurz und fügte dann an: “Na gut, vielleicht geht doch noch was.”
Aus Bremen berichtet Michael Reis
Stark umgekrempelte Mannschaft
Zlatko Dedic brachte die Gäste in der 63. Minute erneut in Front, Marko Marin gelang der erneute Gleichstand (65.). Dann kam Frings, der drei Minuten zuvor erst das Spielfeld betreten hatte.
Zwei Tage nach dem Ausscheiden in der Europa League gegen den FC Valencia hatte Bremens Trainer Thomas Schaaf seine Mannschaft so extrem wie selten umgekrempelt. Mit Clemens Fritz, Mesut Özil, Frings, Per Mertesacker und Pizarro nahmen gleich fünf Stammspieler auf der Reservebank Platz. Offensichtlich wollte der Coach dieses Quintett für das Halbfinale im DFB-Pokal am Dienstag gegen den FC Augsburg schonen.
Fans fordern Pizarro
Doch dieser Schuss ging zunächst nach hinten los. Schon 120 Sekunden vor der Bochumer Führung hatte Dedic einen Fehlpass von Daniel Jensen aufgenommen und Wiese mit einem Distanzschuss zu einer Glanzparade gezwungen. Die Hanseaten erarbeiteten sich zwar in der ersten Halbzeit leichte Feldvorteile, doch es fehlte vorerst die Torgefährlichkeit. Lediglich Marin in der dritten und Naldo in der 20. Minute sorgten in der ersten Halbzeit mit Freistößen für Unruhe vor dem Bochumer Gehäuse.
Dass Schaaf seinem “zweiten Anzug” gegen die Westdeutschen eine Bewährungschance gab, zahlte sich in der ersten Halbzeit nicht aus. Schon nach 35 Minuten forderte das Publikum lautstark den Einsatz von Torjäger Pizarro.
Bochum agierte clever
Der Peruaner kam dann nach dem Seitenwechsel für Rosenberg, Özil ersetzte Jensen. Doch die erste Einschussmöglichkeit hatten erneut die Bochumer. Nach einem Freistoß verfehlte Christian Fuchs das Werder-Gehäuse in der 51. Minute knapp. Auch Philipp Bargfrede vergab vier Minuten später eine gute Chance.
Die Bochumer Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich hielt die Hanseaten lange konsequent vom eigenen Tor fern, setzte immer wieder entlastende Konter und war den Norddeutschen auch spielerisch ebenbürtig.
Mit dem 2:1-Erfolg in Mainz sind die Werderaner ein gutes Stück an die internationalen Plätze herangerückt. Doch obwohl sie am Samstagabend nur noch ein Punkt von Borussia Dortmund und dem Hamburger SV trennt, verfallen die Bremer nicht in Träumereien und bleiben fokussiert auf die kommenden Aufgaben:
“Sicherlich war das bisher ein perfektes Wochenende für uns und eine sehr erfolgreiche Woche”, meint Aaron Hunt, der aber weiß, dass es nach ganz oben noch ein weiter Weg für Werder ist. “Wir sollten jetzt nicht direkt zu weit nach oben schauen. Unser Ziel ist es erst einmal an Dortmund vorbeizukommen. Wir wollen am kommenden Wochenende den nächsten Schritt dafür machen. Wir sind auf dem richtigen Weg”, sagt der 23-Jährige, der aber betont, “dass wir noch nicht da sind, wo wir hin wollen”.
Ähnlich beurteilt auch Angreifer Claudio Pizarro die Bremer Situation nach dem Sieg: “Mit den drei Punkten heute sind wir wieder dabei”, meint der 31-Jährige. “Wir müssen versuchen in den nächsten Spielen nachzulegen”, fordert er, denn er weiß um den großen Abstand zur Tabellenspitze: “Die ersten Plätze sind schon sehr weit weg. Wenn wir weiter gewinnen, müssen wir sehen was dabei am Ende herauskommt.”
“Wir sind wieder voll im Geschäft”, betont auch Werder-Keeper Christian Vander, der durch die vergangenen Erfolgserlebnisse einen deutlichen Aufwärtstrend der Bremer sieht: “Wir haben wieder einiges an Selbstvertrauen getankt. Wer weiß, was noch so geht?”
Geschäftsführer Klaus Allofs analysiert die Tabellenkonstellation etwas nüchterner: “Nach oben ist bisher nicht so viel passiert”, betont der 53-Jährige, “aber wir wissen, dass wir noch einige Möglichkeiten haben. Kommende Woche gegen Stuttgart sollen wir die nächste Antwort geben.” Vom Sieger des Wochenendes zu sprechen, war auch für Vize-Kapitän Per Mertesacker des Guten zu viel: “Ich glaube nicht, dass man davon sprechen kann, denn dafür ist die Spitze einfach zu weit weg. Trotzdem haben wir den Abstand auf die internationalen Plätze verkürzen können.” Bleibt festzuhalten: Mit den drei Punkten in Mainz ist Werder in Schlagdistanz zu den internationalen Rängen, gewonnen ist damit jedoch noch nichts.