Auch Basti Reinhardt hielt es am Donnerstagabend nicht auf dem Sofa. Der Innenverteidiger der Rothosen fieberte vor dem TV mit und schrieb sich die Spannung dann von der Seele.

Hamburg – Europapokal, Europapokal…! Geschafft! Wir sind weiter und der Traum vom Finale in unserem Wohnzimmer ist nicht ausgeträumt. Aber was war denn das für ein irres Spiel? Ich wollte mich gerade gemütlich auf mein Sofa fallen lassen, schon stand es 1:0. Aber für die Falschen. Das geht doch nicht. Was war denn da los? Schon hatten wir ungewollt den Hexenkessel in Eindhoven entfacht. Schlechter kannst Du nicht starten. Die erste Halbzeit war dementsprechend „Käse“. Leerdamer, um genau zu sein. Zu einer korrekten Berichterstattung gehört natürlich auch die Erwähnung des 2.Gegentores. Hab ich aber keinen Bock zu, können andere machen.

Ich hoffe nur, dass sich Frank das nächste Mal mit in die Mauer stellt. Wir Ossis kennen uns damit einfach besser aus. So. Finger hoch, wer nach der ersten Halbzeit noch einen Pfifferling auf uns gesetzt hätte! Und nicht schwindeln! Keiner? Hab ich mir gedacht. Ich bildete auch keine Ausnahme. Dachte stattdessen, dass ein bisschen Gras im Pausentee jetzt nicht schaden könnte. Ich weiß nicht welchen Knopf der Trainer gedrückt hat, gewirkt hat er aber. Irgendwas war anders. Ach ja, das Ergebnis. Konntet ihr nicht warten bis ich sitze, Männer? Anscheinend nicht. Mir blieb wieder nur die Zeitlupe. Mein schlechtes Timing zog sich wie ein blau-weiß-schwarzer Faden durch den Abend. Aber auch die Zeitlupe war ganz ansehnlich. Traumpass Trochowski findet großen Zeh von Petric. Sauber! Und plötzlich kam SIE ins Spiel. Sie, die wunderschöne, fantastische, einmalige Europapokal-Arithmetik. Schweres Wort. Keine Ahnung, ob ich es richtig geschrieben habe. Tut mir leid wenn nicht, aber ich kann das Wort kaum unfallfrei aussprechen. Liebe Frauen, ihr kennt Euch ja mittlerweile sehr gut im Fußball aus.

Dann muss ich das ja nicht extra erklären, oder? Zumal ich am Sinn immer noch zweifle. Da gewinnen zwei Mannschaften jeweils ein Spiel, schießen auch noch gleich viel Tore, doch eine fliegt raus. Kann man so machen, muss man aber nicht. Die Schiris haben doch schließlich Münzen dabei!? Aber so läuft der Hase nun mal. Sollte es dennoch weiteren Klärungsbedarf geben, einfach bei Sepp Blatter anrufen. Der hat das doch verzapft, oder? Aber kein Vorwurf, denn gestern war ich ein Freund dieser Rechnung.
Ich bin ja grundsätzlich für Regeln, die uns zu Siegern machen. Könnte man die nicht erweitern? Sepp, schreib auf! Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, vor meiner Couch. Denn ab Mladens Kiste  hatte ich einen Stehplatz. Ich Trottel hatte glatt vergessen, vor den Standing Ovations mein Handtuch auf mein Sofa zu legen. Amateurfehler! Nun musste ich mir einen neuen Platz suchen.
Doch bevor ich überhaupt die Chance bekam, mein Sitzfleisch andernorts zu belasten, gab es Rot für Duschsack. Oder hieß er Dzsudzsak? Ich muss unbedingt unseren Busfahrer Miro fragen, warum nicht alle Polen solche Namen haben wie er. Zadach. Das ist kurz, knapp und vor allem aussprechbar. Schwamm drum! Das Spiel lief unerwartet weiter. Der PSV machte Druck. Moment mal, waren WIR nicht einer mehr???
Hatte sich etwa ein Eindhovener wieder zurück aufs Feld geschlichen? Ich war noch beim Nachzählen, da flog zum Glück Guy vom Platz und wir konnten endlich unsere Überzahl besser ausspielen. Gelernt ist schließlich gelernt. Jetzt lief es flüssiger. Zumindest der Ball. Als Zugabe gab es auch gleich noch einen Elfmeter geschenkt, den „His Coolness“ persönlich verwandelte. Bedankt!
Man kann den Holländern wirklich nicht vorwerfen, schlechte Gastgeber zu sein. In der 88. Minute verlies dann der Protagonist des Tages den Rasen. Ich erhob mich vom Wohnzimmertisch, nicht ohne vorher das Handtuch zu platzieren. Klasse „Trotsche“! Das nenne ich effektiv. Kaum war er allerdings draußen, fingen wir uns einen ein.
Typischer Fall von zu früh gefreut. Mein Gott, ohne Drama geht es bei uns nie ab. Obendrauf zeigten die Wahnsinnigen in Gelb auch noch glatte 5 Minuten Nachspielzeit an. War ja klar. Doch es war nicht zu leugnen, dass wohl jeder im Stadion mindestens die gelbe Karte bekommen hatte. Mein Adrenalinspiegel hatte sich längst wieder bei Sturmflut eingepegelt und die Brandbomben schlugen im Sekundentakt in unserem Sechzehner ein.

Dann fiel es mir wieder ein. Das ist ja das neue HSV-Dogma. Alles abgesprochen. Wir sollen ja die Spiele spannend halten, damit es Euch Fans nicht langweilig wird. Wer Ent-spannung sucht, soll gefälligst in die Eukalyptussauna gehen, nicht zu uns. Unabhängige Untersuchungen bei Bayern München in den 90ern hatten ergeben, dass das ständige ungefährdete Siegen zu großer Trägheit beim Betrachter, lausiger Stimmung im Stadion und -Achtung jetzt kommt es ganz dicke- zunehmender Verfettung der Kuchenblock-Fraktion geführt hat. Die Folgen sind dort noch heute zu spüren. Und da uns unsere Fans sehr am Herzen liegen, gibt es stoßweise, wohl temperierte Adrenalinschübe von Eurer Mannschaft verabreicht. Auf der Rückseite Eurer Eintrittskarte ist immer der Beipackzettel abgedruckt. Und Ihr dachtet immer, das machen wir, um Euch zu ärgern. Ganz im Gegenteil. Das ist nur zu Eurem Besten. Praktikanten-Ehrenwort!

Und da wir ja auch eine gewisse Verantwortung für den gemeinen Bayern-Fan verspüren, sind wir dazu übergegangen, auch die Spiele in München zu gewinnen. Muss nur knapp sein. Gut für die Volksgesundheit. Auftraggeber ist natürlich , wen wundert es, das Gesundheitsministerium.  Sonntag gibt es die nächste Behandlung. Ja, die Bayern-Fans sind ein besonders hartnäckiger Fall. Chronisch veranlagt. Da muss die Therapie über Jahre durchgezogen werden.

Gut, dass die Kasse voll übernimmt. So jetzt ist es raus. Hat alles Methode. Ja hallo, wir überlassen doch beim HSV nichts dem Zufall. Die Zeiten sind vorbei. Deswegen hat Jerome übrigens auch nicht von der Mittellinie geschossen, obwohl nicht mal mehr ne Tulpe den PSV-Kasten bewachte. Die Dinger macht er sonst mit Augen zu und Rücken zum Tor. Pure Absicht. Ist natürlich alles top secret. Also psssst…..! Aber das kriegt hier ja eh keiner mit. Zur Sicherheit zerstört sich diese Kolumne in 10 Sekunden selbst.

Hamburg – Der Europapokal-Krimi gegen Eindhoven hat seine Spuren hinterlassen. Das Sprunggelenk von Mladen Petric sah schon kurz nach den nervenaufreibenden 95 Minuten im Philips-Stadion nicht gut aus. Orlando Engelaar hatte den HSV-Stürmer zuvor rüde von den Beinen geholt. Nach der Rückkehr nach Hamburg ging es für Petric deshalb schnell zur Kernspintomographie. Dort bestätigte sich der erste Verdacht: Ein Band ist leicht angerissen. Eine schmerzliche Angelegenheit, doch der Kroate will weiter alles versuchen, um gegen Bayern dabei zu sein.

“Es fühlt sich schon besser an, als direkt nach dem Spiel. Wir werden morgen abwarten und dann entscheiden”, gibt Petric die Hoffnung nicht auf. Diese hat weiterhin auch Marcell Jansen. Mit den Nachwirkungen seines grippalen Infekts absolvierte der Nationalspieler am Freitag eine Einheit auf dem Laufband. Grünes Licht für einen Einsatz im Nord-Süd-Klassiker konnte er aber nicht geben. “Er fühlt sich noch nicht ganz wohl und steht auf der Kippe”, verkündete Labbadia auf der Pressekonferenz. Nach dem Abschlusstraining am Samstag wird die endgültige Entscheidung getroffen.

Kein Risiko bei van Nistelrooy – Jaro wieder dabei

Diese ist bei Ruud van Nistelrooy bereits gefallen. Der Niederländer entschied nach seiner Einheit mit Athletik-Trainer Markus Günther nach der Europapokal-Partie auch den Einsatz beim FC Bayern München aufgrund seiner Oberschenkel-Probleme abzusagen. “Ich wäre gerne dabei gewesen, aber es macht noch keinen Sinn. Das Risiko ist zu groß”, so van Nistelrooy. Dafür kehrt Kapitän David Jarolim wieder in die Mannschaft zurück. Der Kapitän hatte aufgrund seiner Gelbsperren zuletzt sowohl die Heimpartie in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt, als auch den Europapokalfight gegen Eindhoven von draußen verfolgen müssen. Jetzt ist der Dauerläufer zurück und kann seine Spuren wieder auf dem Feld hinterlassen. In München hat er dazu sicherlich genug Möglichkeiten.