Fußball Aktuell – Bundesliga » 2010 » Mai
Die Tage, in denen Hoffenheim die Liga aufgemischt hat, scheinen weit entfernt. In dieser Saison war 1899 allenfalls guter Durchschnitt.
Nach der Hinrunde standen die Kraichgauer noch auf Rang 7, fünf Punkte hinter den Europa-League-Plätzen, doch zum Schluss reichte es nur zum 11. Platz, da nur drei Teams eine noch schlechtere Rückrunde spielten, als die Truppe von Trainer Ralf Rangnick.
Die Ursache für dieses durchwachsene Fußballjahr liegt in den zahlreichen Verletzungen wichtiger Spieler. Chinedu Obasi kam nur auf 23 Einsätze, Sturmpartner Demba Ba lief sogar nur 17 Mal auf. Auch in der Abwehr musste Rangnick des öfteren zwangsweise umbauen, weil beispielsweise Andreas Ibertsberger elf Mal verletzt passen musste. So kam es, dass das in der Vorsaison oft gerühmte, harmonische Kombinationsspiel der “Blauen” stockte und die Mannschaft spielerisch nicht recht zueinander fand. Aber das kann in der nächsten, hoffentlich gesunden Saison wieder ganz anders sein.
Frage: Dariusz Wosz, plötzlich sind Sie Cheftrainer beim VfL Bochum. Hat Sie diese Entwicklung selbst verwundert?
Dariusz Wosz: Ich war schon sehr überrascht, dass auf einmal alles so schnell ging. Aber ich bin immer bereit. Natürlich weiß ich um unsere Probleme. Aber ich habe nicht eine Sekunde gezögert, Ja zu sagen zu dieser Aufgabe.
Frage: Welchen Eindruck hatten Sie in den letzten Wochen vom Verhältnis zwischen den Spielern und Trainer Heiko Herrlich?
Wosz: Im Training war alles wunderbar. Aber an den Wochenenden hat man dann im Spiel gesehen, dass sie nicht so gut drauf waren. Der Trainer hat alles versucht. Aber jetzt müssen die Spieler für den Verein alles geben. Die Jungs müssen das jetzt auch wollen. Und es geht hier nicht um einzelne Spieler, oder um Wosz oder um Ernst, sondern um den VfL Bochum.
Frage: Hat die Mannschaft das Zeug, in der Bundesliga zu bleiben?
Wosz: Es ist eine gute Mannschaft, auch wenn man das in den letzten Wochen nicht so gesehen hat. Wir haben das drauf, nicht abzusteigen!
Frage: Was wollen Sie jetzt auch mit Blick auf das nächste Spiel ändern?
Wosz: Wir müssen wieder Lockerheit hineinbekommen. Lockerheit und Konzentration. Und wir werden am Torabschluss arbeiten, denn so oft werden wir am Samstag in München nicht die Chance dazu bekommen. Aber sonst gehen wir dieses Spiel an, wie ich es früher selbst mit jedem Spiel auch gemacht habe. Da passiert nichts Großartiges.
Frage: Der VfL spielt ausgerechnet beim Tabellenführer FC Bayern. Ist das nicht eine schier übermächtige Aufgabe?
Wosz: Wir haben nichts zu verlieren! Natürlich wissen wir auch, dass beim FC Bayern nach dem Einzug ins Champions-League-Finale große Euphorie herrscht. Aber wir werden uns in München nicht verstecken. Wir wollen auch dort erfrischenden Fußball nach vorne zeigen. Und darum werden wir auch mit zwei Spitzen antreten.
Frage: Sie setzen also auch in München auf offensiven Fußball?
Wosz: Wir wollen etwas erreichen, und darum werden wir nach vorne spielen. Vielleicht wird es nicht gerade Pressing sein, aber wir wollen den FC Bayern vor Probleme stellen.
Frage: Wie wollen Sie den Spielern nach zehn sieglosen Spielen das nötige Selbstvertrauen für so eine Spielweise vermitteln?
Wosz: Wir müssen die Blockade in den Köpfen lösen. Die Spieler haben jetzt eine Riesenchance, den Fans etwas zurückzugeben. Und es gibt doch für einen Fußballer nichts Schöneres, als vor einem ausverkauften Haus in der Bundesliga zu spielen.
Frage: Mit Maltritz, Sestak und Pfertzel sind gleich drei Spieler vorbelastet und würden bei einer weiteren Gelben Karte in der vielleicht entscheidenden Partie gegen Hannover 96 am letzten Spieltag fehlen. Wollen Sie diese Spieler in München schonen?
Wosz: Nein, sie werden wohl spielen. Und wenn man sie extra noch darauf hinweist, dass sie ja keine Gelbe Karte kassieren dürfen, passiert meistens gerade dann etwas. Die Jungs sollen Fußball spielen und sich keine Gedanken machen.
Frage: Die Vorbereitungszeit von zwei Tagen ist extrem kurz. Wollen Sie die Mannschaft trotzdem noch mit einer gründlichen Analyse auf den Gegner einstellen?
Wosz: Wer nicht weiß, wie die Bayern spielen, der ist fehl am Platze. Vielleicht gucken wir uns noch einmal ein paar Standards an, aber das ist alles nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass wir eine echte Mannschaft auf dem Platz haben. Richtig vorbereiten werden wir uns dann auf Hannover.
Aufgezeichnet von Dietmar Nolte
Nach der Niederlage des Hamburger SV bei 1899 Hoffenheim geht es für den “BV-Barrios” auf jeden Fall in der Europa League weiter – nach zwei Jahren Pause spielen die Westfalen in der kommenden Saison wieder international.
Jagd auf Bremen und Leverkusen
Gar nicht heimlich, still und leise träumen die Dortmunder sogar noch von der Champions League – dank Barrios, aber auch dank Nuri Sahin, der bei den drei Treffern (27., 62., 78.) Vorlagengeber oder Wegbereiter des Schützen war. Nur jeweils ein Punkt trennt den BVB von Werder Bremen auf Rang 3 und Bayer Leverkusen auf Rang 4 – beide Konkurrenten weisen aber auch die bessere Tordifferenz auf. Barrios ließ schon mal durchblicken, dass die Champions League für ihn “das Größte” wäre. Wohl nicht nur für ihn.
Trainer Jürgen Klopp war erst mal erleichtert, dass es für seine Mannschaft nach nur fünf Punkten aus den vorangegangenen vier Spielen überhaupt zum Sieg gereicht hatte. “Am Schluss hatten wir Glück, dass wir nicht noch ein Tor kassiert haben”, sagte er.
In der Tat gab der BVB erst prompt seine Führung aus der Hand – Mike Frantz erzielte den Ausgleich für Nürnberg (30.). Und als der Club nach dem 1:3 mausetot schien, ließen ihn die Dortmunder noch mal hoffen: Nach Christian Eiglers Treffer (84.) wackelte die Borussia.
Nachlässigkeiten regen Klopp nicht auf
“Das darf uns nicht passieren, das hätte nochmal gefährlich werden können”, sagte Sahin und bemängelte die Nachlässigkeiten vor allem in der Schluss-Viertelstunde. Klopp wollte sich über die Schwächen aber nicht weiter aufregen.
“Wenn du mit so einer jungen Mannschaft oben mitspielst, musst du das einkalkulieren”, sagte er und betonte: “Man muss auch mal so ein Spiel nach Hause bringen.” Was dank des ersten Dortmunder “Dreierpacks” von Barrios, der zuvor in vier Spielen nicht getroffen hatte, wunderbar gelang. “Für uns war das wichtig, für ihn nicht ganz unwichtig”, sagte Klopp.
“Club” ärgert sich über “vergebene Satzbälle”
Auch Nürnberg hat eine junge Mannschaft. In der Innenverteidigung standen diesmal Dominic Maroh, 23 Jahre alt, und der Norweger Havard Nordtveit, 19 Jahre alt. Und zumindest bei zwei Treffern machten sie keine gute Figur. Trainer Dieter Hecking nahm beide deshalb von seiner Kritik nicht aus. “Wenn ich sehe, wie wir die Tore zwei und drei bekommen, das hat nichts mit jung oder alt zu tun, da fehlt es an der letzten Konsequenz.” Beim 1:3 standen die Nürnberger wie angewurzelt im Strafraum herum, während Barrios in Seelenruhe abstauben konnte.
Drei Mal hintereinander hat der “Club” nun verloren. Weil die Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg auch patzten, ärgerte sich Hecking über die verpassten Chancen gegen Wolfsburg, in Freiburg und gegen Dortmund.
“Wir haben drei Satzbälle vergeben”, sagte er. “Wir brauchen aus den letzten zwei Spielen noch vier Punkte”, kalkulierte Torschütze Frantz. Der “Club” hat sein Schicksal zunächst in Hamburg und dann gegen Köln immerhin noch selbst in der Hand. “Da müssen”, sagt Trainer Hecking, “jetzt nur noch die Nerven halten.”