Fußball Aktuell – Bundesliga » 2010 » April
Dann war es wieder still. Der sich selbst als “Prozesstrainer” beschreibende Niederländer hat dem FC Bayern gebetsmühlernartig Ruhe und Fokussierung eingeimpft.
Der Trainer als Hilfsmittel
Das wird von den Spielern mittlerweile gelebt und soll auch im Spiel bei Borussia Mönchengladbach vorgeführt werden. “Ich mache die gleiche Vorbereitung wie gegen eine Amateurmannschaft. Wir analysieren jeden Gegner, machen Power-Point-Präsentationen und eine individuelle Vorbereitung. Wie kann man da nicht fokussiert sein?”, fragte van Gaal und fügte hinzu: “Die Spieler wollen fokussiert sein. Das ist keine körperliche Sache, sondern der Geist ist entscheidend. Und ich bin dafür ein gutes Hilfsmittel.”
Spätestens seit dem 8. Dezember 2009, als der FC Bayern – in der Champions League vor dem Aus stehend – Juventus Turin in Italien mit 4:1 aus dem Wettbewerb warf, ist klar, wie leistungsfördernd van Gaals Hilfestellung ist. Seit dem psychologisch wichtigen Sieg ist der Rekordmeister in allen drei Wettbewerben auf der Überholspur, mit Chancen auf das “Triple”.
“Was wir leisten ist unglaublich. Ich habe immer gesagt, dass wir viel machen können und meine Spieler sehen und glauben, dass wir nach oben kommen können. Wir haben immer ein Ziel”, freut sich van Gaal. Doch er wäre nicht er selbst, wenn er nicht postwendend die Euphorie dämpfen würde: “Wir haben noch nichts gewonnen. Und konstant sind wir auch noch nicht. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.” Und wann ist er abgeschlossen? “Wenn wir alles gewinnen.”
“Habe noch nie mit so einer Mannschaft gearbeitet”
Nach Ansicht des niederländischen Erfolgstrainers, der mit Ajax Amsterdam, dem FC Barcelona und AZ Alkmaar insgesamt sechs nationale Meistertitel gewinnen konnte, habe sein Team mental die allerbesten Voraussetzungen für die anstehenden Endspiele: “Ich habe noch nie mit so einer Mannschaft gearbeitet. Wir haben das Gefühl, dass wir alles schaffen können”, lobt er seine Truppe, die seit Monaten als Paradebeispiel für Einheit, Arbeit und Moral herhält.
Auf Nachfrage von bundesliga.de, ob er denn kurz vor einem möglichen “Triple” nervös wäre, meinte van Gaal seelenruhig: “Ich stehe am Ende meiner Karriere. Ich habe schon viele Finals und Halbfinals erlebt.” Der mögliche Triple-Erfolg sei “für die Spieler”.
Eine vorsichtige Bundesliga-Prognose wagt van Gaal vor der Abreise nach Mönchengladbach dann aber doch: “Wenn wir gegen Gladbach gewinnen und Schalke gegen Hertha BSC verliert, dann sind wir am nächsten Spieltag Meister”, erklärt der Cheftrainer, während er genüsslich den Milchschaum seines Cappuccinos auslöffelt und fügt an: “Wir werden sehen, ob es klappt.”
Ribery sicher in der Startelf
Definitiv in der Startelf steht gegen die “Fohlen” Franck Ribery, da macht van Gaal sogar eine Ausnahme von seiner üblichen Vorgehensweise: “Er hat sehr gut trainiert und wird sicher spielen.” Laut van Gaal sei Spielpraxis die beste Unterstützung für den im Champions-League-Halbfinale vom Platz geflogenen Franzosen.
Eine individuelle Behandlung brauche Ribery indes nicht: “Ein Profi muss solche Situationen managen können. Wir müssen so weitermachen, wie es war.” Alles weitere zu seiner Aufstellung gegen die Gladbacher ließ van Gaal dann – wie gewohnt – offen.
Ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob sich Arjen Robben nach seinem verwehrten Handschlag bei seiner Auswechslung gegen Lyon entschuldigt habe. “Das darf ich nicht erzählen. Aber das waren positive Emotionen, das war nicht schlimm”, besänftigt van Gaal. In der Ruhe liegt beim FC Bayern momentan einfach die Kraft.
Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs
Heerwagen und Fromlowitz noch keine Stützen
Torhüter Philipp Heerwagen strahlt in den OBM-Gehäusen wenig Sicherheit aus. Heerwagen spielt durchschnittlich nur etwa jede zehnte Partie zu Null und belegt Platz 23 im Saisonvergleich. Lediglich Hannovers Florian Fromlowitz schneidet schwächer ab (26.), während sich Jaroslav Drobny (Hertha / 9.), Simon Pouplin (Freiburg / 11.) und Raphael Schäfer (Nürnberg / 13.) durchaus ordentlich platzieren. Pouplin hielt am 31. Spieltag sogar am fünftbesten.
Die Bochumer Abwehrspieler machen es ihrem Keeper auch nicht leicht. Marcel Maltritz, der zweikampfstärkste Bochumer, belegt im Saisonvergleich den 51. Platz. Viel besser verteidigt Arne Friedrich (Hertha / 5.), etwas besser machen es Heiko Butscher (Freiburg / 28.), Karim Haggui (Hannover / 33.) und Javier Pinola (Nürnberg / 45.).
Schwächen im Bochumer und Nürnberger Mittelfeld
Im Mittelfeld ragt erneut ein Berliner aus dem Quintett der Abstiegskandidaten heraus. Gojko Kacar kommt nach 31. Spieltagen auf den neuntbesten Wert, der sich aus Zweikampfstärke, Toren und Vorlagen ergibt. Und wieder ist es ein Bochumer, der das Schlusslicht bildet. Paul Freier (51.) liegt hinter Marek Mintal (Nürnberg / 29.), Hanno Balitsch (Hannover / 40.) und Julian Schuster (Freiburg / 47.).
Am 31. Spieltag konnte Bochums Bester, Joel Epallé (50.) immerhin Nürnbergs Besten, Marek Mintal (51.), ganz knapp hinter sich lassen. Tagesbester aus dem Kreis der genannten Teams war Kacar als 25.
Idrissou in guter Spätform
Für einen Lichtblick sorgen die Stürmer der einst “Unabsteigbaren”. Stanislav Sestak (36.), Diego Klimowicz (46.) und Zlatko Dedic (49.) landen allesamt vor Nürnbergs erfolgreichstem Angreifer, Christian Eigler (55.). Am besten schneidet einmal mehr Hertha BSC durch Raffael (23.) und Artur Wichniarek (24.) ab.
Am vergangenen Spieltag erreichte Mohamadou Idrissou (Freiburg / 17.) den besten OBM-Wert. Nürnbergs Torjäger Albert Bunjaku (33.) landete denkbar knapp hinter Sestak (31.) und Hannovers Didier Ya Konan (30.).
Wenig Nachfrage für Freiburger Profis
Hätte die Rangliste der meistgekauften Spieler irgendeinen Einfluss auf die Abstiegsfrage, so sähe es stockfinster für den Sportclub Freiburg aus. Deren Top-Seller ist Stürmer Felix Roth auf Platz 207 (!) unter den meisten Verpflichtungen im OBM. Die meistgekauften Spieler der Freiburger Konkurrenz heißen Patrick Ebert (Hertha / 19.), Sestak (36.), Eric Maxim Choupo-Moting (Nürnberg / 53.) und Hendrik Hahne (Hannover / 57.).
Den virtuellen Abstiegskampf würde Hertha BSC sicher eher bestehen als den realen in der Bundesliga. Die Chancen der anderen vier gefährdeten Clubs stehen in etwa gleich gut oder gleich schlecht. Es sieht ganz danach aus, als würde die Abstiegsfrage erst am 34. Spieltag beim direkten Duell zwischen Bochum und Hannover beantwortet werden.
Der OBM-Check der fünf Abstiegskandidaten
Torhüter (Saisonverlauf)
9. Jaroslav Drobny (Hertha)
11. Simon Pouplin (Freiburg)
13. Raphael Schäfer (Nürnberg)
23. Philipp Heerwagen (Bochum)
26. Florian Fromlowitz (Hannover)
Torhüter (31. Spieltag)
5. Simon Pouplin (Freiburg)
10. Raphael Schäfer (Nürnberg)
11. Florian Fromlowitz (Hannover)
14. Jaroslav Drobny (Hertha)
17. Philipp Heerwagen (Bochum)
Abwehr (Saisonverlauf)
5. Arne Friedrich (Hertha)
28. Heiko Butscher (Freiburg)
33. Karim Haggui (Hannover)
45. Javier Pinola (Nürnberg)
51. Marcel Maltritz (Bochum)
Abwehr (31. Spieltag)
14. Arne Friedrich (Hertha)
37. Jan Durica (Hannover)
41. Dominic Maroh (Nürnberg)
45. Mergim Mavraj (Bochum)
54. Heiko Butscher (Freiburg)
Mittelfeld (Saisonverlauf)
9. Gojko Kacar (Hertha)
29. Marek Mintal (Nürnberg)
40. Hanno Balitsch (Hannover)
47. Julian Schuster (Freiburg)
51. Paul Freier (Bochum)
Mittelfeld (31. Spieltag)
25. Gojko Kacar (Hertha)
33. Hanno Balitsch (Hannover)
36. Ivica Banovic (Freiburg)
50. Joel Epallé (Bochum)
51. Marek Mintal (Nürnberg)
Angriff (Saisonverlauf)
23. Raffael (Hertha)
29. Ya Konan (Hannover)
31. Mohamadou Idrissou (Freiburg)
36. Stanislav Sestak (Bochum)
55. Christian Eigler (Nürnberg)
Angriff (31. Spieltag)
17. Mohamadou Idrissou (Freiburg)
19. Raffael (Hertha)
30. Ya Konan (Hannover)
31. Stanislav Sestak (Bochum)
33. Albert Bunjaku (Nürnberg)
Meistgekaufte Spieler
19. Patrick Ebert (14.546) (Hertha)
36. Stanislav Sestak (12.506) (Bochum)
53. Eric Maxim Choupo-Moting (10.827) (Nürnberg)
57. Hendrik Hahne (10.329) (Hannover)
207. Felix Roth (5139) (Freiburg)